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“Once you leave you can never go back to who you were as a child” - Im Gespräch mit der Regisseurin Venice Atienza von “Last Days At Sea”

Am Mittwochvormittag durfte ich mit der philippinischen Regisseurin Venice Atienza über Zoom sprechen, deren Dokumentarfilm “Last Days at Sea” im diesjährigen Berlinaleprogramm gezeigt wird. Es entspann sich ein inspirierendes Gespräch über ihre empatische Art, Filme zu drehen und was es heißt, sich auf der Leinwand als Regisseurin vulnerabel zu zeigen. fGR: Would you like to introduce yourself shortly? My name is Venice Atienza. I initially studied cinema, but before that I actually wanted to be a chef. One day, when I was 16 or 17 years old, I was watching a Korean drama and I asked my mother: “What job makes people feel things?” and she replied by asking me “Why don’t you become a film maker?”. After applying for the second time I finally got into film school. I really always knew I wanted to make documentaries but did not know how. A friend of mine then told me about the project Doc Nomads which I got accepted at. That was the first time I saw a bit more experimental documenta...

Five minutes with Fred Baillif

an interview with the director of „La Mif“ The cinema is slowly filling up and the joyful voices of the crowd are giving me a feeling I haven't felt for a long time in the last months of lockdown. Finally it is possible again to celebrate a Berlinale film together. The film team of La Mif is welcomed with loud applause when they arrive at the cinema. Everyone of the crew - the director Fred Baillif, a few of the actresses and family and friends - is smiling and radiates pure joy as they’re walking up to the photo wall. I wait until they’re done with all photos and take the chance to sit down with Fred Baillif for a few minutes before the film starts. What interests me the most about this quite special topic is why Baillif chose it to portray it in one of his films. Fred Baillif: „Because I used to work as a social worker and studied it when I was younger. In the beginning i wanted to tell a story about sex abuse and then I thought the best place to talk about such a subject wou...

Für 122 Minuten Teenager sein

"Fühlst du dich noch verbunden zu dem, was du gefühlt hast, also du so alt warst wie ich? Liegt das alles in der Vergangenheit oder kannst du diese Erlebnisse irgendwie wieder erleben?"   Nach „Shkola nomer 3“ (2017) und „The earth is blue as an orange“ (2020) präsentiert Generation 14+ mit „Stop Zemlia“ auch bei der diesjährigen Berlinale einen Jugendfilm aus der Ukraine. Für ihren einfühlsamen Film erhält Regisseurin Kateryna Gornostai den gläsernen Bären der Jugendjury.  Eine Schule irgendwo in Kiew. In Sequenzen unterschiedlicher Länge folgt die Kamera Schüler*innen aus der 11. Klasse und lädt die Zuschauer*innen dazu ein, am Gefühlsleben der ukrainischen Teenager teilzuhaben: Am ersten Verliebtsein, an Klassenfeiern, Schulstunden, Freundschaftsritualen, Ängsten und Selbstzweifeln. Durch unkonventionelles Storytelling und einer subtilen Erzählweise wird über 122 Minuten Spannung gehalten, ohne dass viel passiert. Genau dies spiegelt im Grunde die Lebensrealität vieler Tee...

“Because movies and art can be dreamlike” - Interview with Dash Shaw

Interview about the film Cryptozoo The open-air cinema Rehberge is filling up more and more. The director of the film "Cryptozoo" Dash Shaw is invited on stage to receive the honorable mention for the best feature film from the international jury. After he says a few words about his film and leaves the stage, it gets quiet and the film starts. We walk out of the film with Dash Shaw to ask him a few questions: fGR (free generation reporter): The whole movie is really incredibly special animated. So first of all, I wanted to ask how was the process of the animation? Dash Shaw (director): It was first storyboarded. So then the storyboards kind of become the division of labor of how everything is organized. And then there's a casting process of casting different artists to do different backgrounds. Then it kind of becomes a collage process where you're taking different things painted by different people and trying to arranging it to make it. They look different from eac...

Wo blutverschmierte Wale Normalität sind

Eine Kritik zu From The Wild Sea. Es sind Bilder, die nahegehen müssen. Minutenlang kämpft eine kleine Robbe in der Auffangstation um ihr Leben. Minutenlang ist selbst den freiwilligen Helfer:innen nicht klar, ob sich das kleine Pelzknäul noch quält oder schon tot ist. Dann ist klar: es wird es nicht schaffen. Die Infektion war schon zu weit fortgeschritten. Schicksale wie diese gibt es in den letzten Jahren immer häufiger entlang der Atlantikküste – wie hier im britischen Cornwell. Grund ist die Klimaerwärmung, die Stürme und Unwetter begünstigt und Meereslebewesen in ihrer Wucht brutal an die Küsten spült. From the Wild Sea zeigt die schonungslose Wahrheit: einen 19 Meter langen blutverschmierten Wal, der auf Felsen gestrandet ist und dessen Gewicht seiner eigenen Organe ihn langsam aber sicher zu zerquetschen droht. Bis die rettende Flut kommt, wird er tot sein. Die Helferinnen und Helfer können nichts mehr für ihn tun. Ölverschmierte Schwäne, deren Äußeres nichts mehr mit den weiß...

Die letzte Station

Eine Kritik zu Jong chak yeok Vier junge Schülerinnen die Teil eines Fotografie-Klubs sind bekommen die Aufgabe, mit altmodischen Kameras über die Sommerferien ein Foto vom Ende der Welt zu machen. Sie kommen auf die Idee, bis ans Ende einer Bahnlinie zu fahren, um dort die Fotos zu schießen. Doch der Ausflug verläuft anders als geplant, das Ende der Bahnlinie sieht nämlich gar nicht so richtig nach dem Ende der Welt aus. So verlängert sich ihr Ausflug über den Tag hinweg, und die vier Freundinnen streunen durch das ländliche Korea - lachend, hartnäckig und wissbegierig. Jong chak yeok ist eine der Sorten Film, die - Festivalgänger und gekonnte Streuner der Filmlandschaft mal ausgenommen - den meisten Leuten verwehrt bleibt. Filme ohne wirkliche Struktur, ohne gewisse Punkte in Charakterentwicklung die abgehakt werden müssen, ohne wirkliches Ziel – ein Film, der schlicht und einfach eine Geschichte aus dem Leben erzählt. Hier, anders als andere Vertreter dieser Art von Filmen, noch mi...

Die letzten Tage

Eine Kritik zu Last Days At Sea Meeresrauschen und eindrucksvolle Naturaufnahmen. Viele Gespräche aus dem Off, die mit anderen Bildern untermalt sind. In Last Days At Sea begleiten wir mit Regisseurin und Kamerafrau Venice Atienza den Jungen Reyboy, der seine letzten Tage am Meer in seinem abgeschiedenen Heimatdorf verbringt, bevor er für die weiterführende Schule in die Stadt zieht. Von Anfang an kommt das Gefühl von Familie und Geborgenheit auf. Die Dorfbewohner*innen nehmen Venice offen und herzlich auf, sodass sich auch das Publikum schnell zuhause fühlt. Nicht die Handlung überzeugt in diesem Film, sondern das Beobachten. Ein Gefühl von Sommer und Leichtigkeit kommt auf. Für etwas über eine Stunde entziehen wir uns dem Stadtalltag und landen am Meer. Graben die Füße in den Sand, gehen schwimmen, baden uns in der Sonne, essen philippinische Küche und fühlen die Liebe und den Respekt unserer Mitmenschen. Doch es ist kein leichtes Leben, auf die Fischerei angewiesen zu sein, auch ...

„You’ve always been there, you’ve never let me down. And you’ll always be my family“

Eine Kritik zu La Mif Laute Auseinandersetzungen und Rangeleinen, dann wieder versöhnendes Tischkicker-Spielen und Gespräche über die neu entdeckte Sexualität, Ängste oder Gott und die Welt. „La Mif“ portraitiert eine Gruppe junger Mädchen, die zusammen in einem Kinder- und Jugendheim leben. Jede hat ihre eigene Geschichte und Probleme, eines haben sie alle gemeinsam: Sie können nicht bei ihren Eltern leben. Die Betreuer:innen tun ihr Bestes, um den Jugendlichen ein sichereres und vertrauenswürdiges Zuhause zu geben und müssen dabei so einige Probleme und Schwierigkeiten überwinden. Teilweise fiktional, teilweise dokumentarisch erzählt der Regisseur und Drehbuchautor Fred Baillif vom gemeinsamen Leben in der Wohneinrichtung, indem er nacheinander den Alltag, die Probleme und Gefühlswelt jedes Mädchens einzeln betrachtet und der Handlung Zeit gibt, sich zu entfalten. Zwischendurch führt der Erzählstrang immer wieder auf Lora, die Heimleiterin zurück, die sich mit unendlicher Ausdauer...

Im Spagat zwischen Bedrohung und Glückseligkeit

Eine Kritik zu Ensilumi. Märchenhafte Sommertage, Kindergelächter, heile Welt. In Ensilumi stehen sich die Idylle des Sommers und eine sich innig liebende Familie der Realität gegenüber, die sich unweigerlich und bedrohlich ankündigt. Auf engstem Raum, in einer Ein-Zimmer-Wohnung, lebt die Familie von Ramin - dicht auf dicht mit anderen Flüchtlingsfamilien. Es ist nur eine temporäre Unterkunft - sie hoffen darauf, dass ihnen dauerhaftes Asyl in Finnland gewährt wird. Die Eltern erstrahlen geradezu vor Liebe und versuchen alles, um den Kindern die Situation so angenehm wie möglich zu machen. Sie bemühen sich, ihre Schützlinge von den Sorgen einer drohenden Abschiebung abzuschirmen. Doch in nur einem Zimmer ist das nicht immer einfach. Selbst das Badezimmer ist nur mit einem kleinen Vorhang abgeschirmt und muss im Zweifelsfall für etwaige intime Nachfragen, beispielsweise wie man Mädchen beeindrucken könne, herhalten. Ständig kommen Freund:innen aus anderen Flüchtlingsfamilien vorbei, di...

Autismus – mehr als nur ein Klischee!

Ein Mensch, der sehr in sich gekehrt wirkt, sich nicht anfassen lässt und kaum mit der Außenwelt kommunizieren kann. Das ist das Bild, das viele Menschen von Autist*innen haben. Aber Autismus ist deutlich vielfältiger. Deshalb wird heute meist der Begriff Autismus-Spektrum-Störung verwendet. Denn Autismus erstreckt sich von geistiger Behinderung und kaum ausgeprägter Sprache bis hin zu Hochbegabung mit voll entwickelter Sprache. Ein Hauptmerkmal sind Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation. Aber wie äußert sich die genau? Für Andere wirkt es häufig als ob Autist*innen in ihrer eignen Welt leben: zurückgezogen, schweigsam, wenig Kontaktverhalten. Aber es gibt auch Autist*innen, die distanzlos und eigenartig in ihrem Kontaktverhalten wirken. So reden einige Autist*innen sehr viel und weitschweifig über ihre Interessen und achten dabei wenig auf die Angemessenheit oder Wirkung ihres Verhaltens. Denn ein weiteres Kennzeichen der Autismus-Spektrum-Störung ist ein einge...

Ein leiser Film mit lauter Botschaft

Eine Kritik zu Una Escuela en Cerro Hueso. Emas Familie fällt auf. Sie ist weiß, aus der Großstadt und auch Ema ist nicht wie die anderen Kinder in der ersten Klasse der neuen Schule. Nur, wer die Filmbeschreibung gelesen hat, weiß: Die sechsjährige Ema hat Autismus . Eine Entwicklungsstörung, die sich oft im sozialen Umgang und in der Kommunikation bemerkbar macht. Dem Publikum bleibt diese Information jedoch vorenthalten, erst am Ende des Films fällt das Wort Autismus. Dadurch gelingt es der Regisseurin Betania Cappato, einen vorurteilslosen Raum zu schaffen, in dem die Zuschauenden den Alltag der kleinen Ema unvoreingenommen erleben können. Una Escuela de Cerro Hueso besteht fast bruchstückhaft aus chronologisch aneinandergereihten Segmenten, stets getrennt durch einige Sekunden schwarzen Screen: Ema im Schulunterricht, Ema zuhause, Emas Eltern. Sie wirken wie assoziative Gedanken, die Cappato aus ihrer eigenen Kindheit erinnert. Denn: Wie am Ende erklärt wird, ist der Film autobi...

Schöne Bescherung

Eine Kritik zu Ninjababy . Die 23-jährige Rakel führt ein ziemlich normales Leben - geht gerne feiern, trinkt, probiert sich aus und genießt die Unbeschwertheit einer Zwanzigjährigen. Bis sie eines Tages vollkommen aus dem Nichts herausfindet schwanger zu sein, und das sogar schon im 7. Monat! Von einer auf die andere Sekunde ist Rakels Leben auf den Kopf gestellt - anstelle von Fragen wie was es heute zu Essen gäbe, auf welche Party sie gehen möchte oder in welche Richtung sie ihr Leben nach dem abgebrochenen Studium gestalten möchte, muss Rakel sich plötzlich damit beschäftigen wer der Vater des ungeborenen Kindes ist und was für Möglichkeiten es gäbe mit einer ungewollten Schwangerschaft umzugehen. Zum Glück stehen Rakel auf dieser Achterbahnfahrt der Gefühle ihre Mitbewohnerin Ingrid und der Aikido-Trainer Mos, den die beiden fälschlicher Weise zu erst für den Vater hielten, zu Seite. Das Thema ungewollter Schwangerschaften junger Menschen ist in (Generations)filmen sicherlich nich...

Unverhoffte Freundschaft

Eine Kritik zu Nelly Rapp - Monsteragent Jedes Jahr gibt es ihn, den Kinderfilm bei der Berlinale, der die Leichtigkeit ins Programm bringt und auch die Kleinsten ins Kino lockt. Dieses Jahr ist es Nelly Rapp - Monsteragent von Amanda Adolfsson aus Schweden. Nelly (Matilda Gross) unterscheidet sich in allem möglichen von anderen Kindern in ihrem Alter. Sie mag es blutrünstig und dramatisch in ihren Geschichten. Schrille Farbkombinationen sind immer mit dabei. Und sie ist nicht auf den Mund gefallen. Als ihr Vater sie für die Herbstferien bei ihrem Onkel unterbringt, findet sie heraus, dass sie einer Familie von Monsteragent*innen angehört und auch ihre verstorbene Mutter eine solche Agentin war. Prompt sieht sie ihr nächstes Ziel vor Augen: selbst Monsteragentin werden. Aber als sie sich Auge in Auge mit einer Frankensteinerin sieht, beginnt sie alles zu hinterfragen, was sie über Monster gelernt hat. Es ist ein Spaß für die gaze Familie, die liebenswerte Nelly auf der Kinoleinwand zu...

“The best we can hope for is being treated as zoo animals.”

Eine Kritik zu Cryptozoo. Atmosphärisch, fast ein wenig mystisch, wabern die Klänge eines Flügelhorns durch den animierten Wald, in dem zwei junge Erwachsene den Beginn dieser Geschichte ebnen. Recht bald stoßen sie auf einen Zaun. Wartet hinter diesem Zaun vielleicht ein besseres Leben? Eine Utopie? Im dem hinter dem Zaun gelegenen Cryptozoo können Cryptids sorgenfrei leben. Cryptids sind Fabelwesen, die häufig in der griechischen Mythologie ihren Ursprung finden. So gibt es beispielsweise einen Greif, eine Kombination aus Löwe und Raubvogel, aber auch einen Mantikor, eine Kombination aus Skorpion und Löwe. Viele der Cryptids sind halb Mensch, halb Fabelwesen. In der Außenwelt werden sie verfolgt, ermordet oder ausgenutzt. Laut der Betreiberinnen ist der Cryptozoo eine Art “Sanctuary”, ein Zufluchtsort, an dem Cryptids sorgenfrei leben können. Cryptozoo nutzt Möglichkeiten, die allein durch die Machart von Animationsfilmen erst möglich werden, gekonnt, um wichtige Elemente hervorzuheb...

Kinder- und Jugendhilfe in der Schweiz - ein System zum Scheitern?

Ein Hintergrundartikel zu "La Mif" In dem Schweizer Film „La Mif“ portraitiert Regisseur und Drehbuchautor Fred Baillif den Alltag und die Probleme junger Mädchen und deren Betreuer:innen in einem Kinder- und Jugendheim. Die Systeme dahinter scheinen wirr und teilweise nicht auf das Kinderwohl ausgelegt zu sein. „Ein Kinderheim ist kein Gefängnis“ sagt Heimleiterin Lora ein Mal, als sie sich wegen eines Vorfalles im Kinderheim einem Ausschuss stellen muss. Doch wie sieht dieses System hinter der Kinder- und Jugendhilfe in der Schweiz aus? Ein Blick hinter die Kulissen verrät, wieso die Strukturen bei „La Mif" so undurchschaubar wirken. Die Schweiz ist bekannt für seinen Föderalismus - das Land gliedert sich in 26 Kantone, die meisten Gesetze entstehen auf dieser Ebene. Bundesweite Regelungen zur Kinder- und Jugendhilfe existieren nur sporadisch und beziehen sich nur auf die Ernstfälle: wann in das Elternrecht eingegriffen werden darf, welche finanziellen Mittel fü...

Unbekannte Freiheit

Eine Kritik zu Fighter Jina (Lim Seong-mi) ist eine Kämpferin. Sie hat für ihre Flucht aus Nordkorea gekämpft, sie kämpft für ihren Vater, der noch immer in China ist, sie kämpft gegen ihre Gefühle gegenüber der Mutter, die sie in jungen Jahren in Nordkorea zurückgelassen hat, sie kämpft für ein besseres Leben in Seoul. Es scheint nur passend, dass sie im Boxkampf letztendlich ihre neue Leidenschaft findet. „Ein typischer Underdog-Film“, höre ich später. Doch für mich ist Fighter mehr als das. Es braucht nicht erst die Mentorenfigur oder einen Geliebten oder den einen Schicksalsschlag, um Jina zu sich selbst finden zu lassen. Von Anfang an bleibt sie sich selbst treu, geht ihren Weg in ihrer eigenen Zeit, lässt sich nicht drängen, wehrt sich von vornherein, wenn ihr Unrecht geschieht, entscheidet frei, welche Ratschläge sie annimmt und wann. Ihre stille Natur wird durch die Abwesenheit von Musik untermalt. Der Stille wird Raum gegeben und nur in wenigen Momenten wird Musik eingesetz...

Anschnallen für die nächste Runde

„Bald habt ihr sowieso Corona-Ferien, dann könnt ihr ja in Ruhe eure Kritiken schreiben.“ Ich erinnere mich noch an diesen Satz, als wäre unser Berlinale-Nachtreffen erst gestern gewesen. Die Berlinale 2020 war begleitet von einem sich rasant schlechternden Zustand des italienischen Gesundheitssystems, diversen Hygienemaßnahmen und täglichen Absagen anderer großer Messen und Veranstaltungen. Ich selbst bekam davon kaum etwas mit, so sehr war ich im Rausch des Festivals gefangen. Erst Tage später wurde ich mir der veränderten Lage in der Welt bewusst. Dennoch ahnten wir beim Nachtreffen noch nichts von dem, was unmittelbar bevorstand. Dass die scherzhaft in den Raum geworfene Aussage bald bittere Realität werden würde, war uns nicht klar. Ziemlich genau ein Jahr später wissen wir, wie der Hase läuft. Kontaktbeschränkungen, geschlossene Geschäfte, Absagen für große Festivals wie die Berlinale gehen in die zweite Runde. Doch das Berlinale-Team, diese 70 Jahre alte Maschine, das riesige dy...